Unterdruck unter Druck

Den Leuten geht die Sprache aus. Hab ich selbst am eigenen Leib gemerkt. Du sprichst und sprichst und schreibst bis du nicht mehr kannst, bis du nicht mehr weißt, was du besprechen oder beschreiben sollst. Sprache ist ein begrenztes Mittel geworden. Wie Öl. Den Leuten geht ja auch das Öl aus.

 

Ich habe auch gemerkt, dass ich untalentiert im Verlaufen bin. Verlaufen ist ja auch kein Hobby von mir. Und eigentlich sehen viele das, was ich mit Verlaufen meine, garnicht als Verlaufen. Verlaufen im klassischen Sinne heißt ja sowas wie „Vom Weg abkommen“ und führt dann dazu, dass man „auf dem falschen Weg“ oder in einer „Sackgasse“ landen. Dabei bringt vielleicht diese Sackgasse, ein öder Ort im Gedankenlabyrinth, den wesentlichen Impuls, um einen neuen Weg zu nehmen, der sich dann als der eigentlich richtige herausstellt.

 

Leiden macht Spaß. Leiden unter Druck und Einsamkeit. Man fühlt sich so schön befreit dabei, wenn man sich unter all der aufgesetzten Heiterkeit das Recht rausnimmt, zu leiden. Leider hat der Nachbar was dagegen, wenn man seinem Leid freien Lauf lässt. Der leidet unter meinem Geklampfe und Gegröle ja so sehr, dass er seinem Leid in Form von Besenstielschlägen gegen die Decke Ausdruck verleihen muss. Der Arme weiß ja auch nicht was er hat mit seiner Frau und den Kindern. Tut mir leid, dass ich es mir um halb zwei nachts herausnehme, authentisch zu leiden. Leider lasse ich dann eben auch die Gitarre liegen, darunter leide ich dann wiederum. Ich kann das nicht leiden. Aber da kann man leider nichts machen, man hat ja leidenswerterweise gelernt, sich zu benehmen. Aber nehmen sollte man sich diese Freiheit eigentlich.

 

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