Archiv der Kategorie: Geschriebenes

Der Platz

A: Kennst du diese Momente, in denen du dir echt krank vorkommst?

B: Erleb ich jedes Mal beim Onanieren.

A: (Lacht) Nein, so Momente, wo du dir echt denkst, was für ein Psycho doch in dir steckt. Wo du wirklich so das Gefühl hast, dass du irgendwie keinen Bock mehr hast, hier zu leben, also wo du wirklich so richtig krank bist.

B: Naja, die hat jeder mal, oder?

A: Ja, schon. Das kann man so pauschal sagen, ja. Aber jeder so mit der Stärke? Ich mein, du bist doch darauf getrimmt, zu funktionieren, und dir deine Schattenseiten nicht zu erlauben. Da ist doch jeder irgendwo gehemmt. In sich drin, irgendwo. Dann k a n n das nie so intensiv sein, wie es sein sollte.

B: Ich weiß nicht, sollte es das? Was bringt einem das auch?

A: Siehst du, genau das is das Problem! Alles bringt etwas.

B: Wolltest du mir was erzählen?

A: Ja, also, pass auf. Ich lauf da letztens ne Straße entlang, in meiner Mittagspause, und da seh ich an einem Gartenzaun an so einem Mauervorsprung was liegen. Ich habs zuerst garnicht gerafft, geh weiter, dreh mich dann nochmal um, und dann ist dieses Ding ein totes Küken. Hast du schon mal ein totes Küken gesehen? Also es war so richtig nackt, noch ohne Federn, hatte die Augen geschlossen und lag da. Vergeudetes Leben.

B: Ja gut, n Vogel halt. Tier ist Tier, Mensch ist Mensch, oder nicht?

A: Naja, aber Leben ist eben auch Leben. So schwer wir das begreifen wollen.

B: Ja gut, aber was is daran jetzt so krank?

A: Pass auf, der Punkt war, dass mich das total fertig gemacht hat. Ich stand echt kurz da und hab die Welt nicht mehr verstanden. Und dann hab ich auf einmal den Drang gehabt, diesen Moment festzuhalten, also das Tier zu fotografieren.

B: Ja und? Das machen doch so viele. Also tote Tiere Fotografieren.

A: Schon, aber ist das nicht irgendwie krank? Erzähl das mal jemandem: „Sie fotografieren gerne, habe ich gehört.“ „Ja, mit Vorliebe tote Tiere.“ Was meinst du wie du da angekuckt wirst.

(Kurze Stille)

A: Und dann fühlst du dich für einen Moment unendlich einsam. Ich meine, das Küken ist einen Unfalltod gestorben. Wenn du nich grad so ne Arbeit machst, stellst du dich ja auch bei nem Verkehrsunfall nicht mit ner Kamera hin und filmst das, oder machst Fotos davon. Das hat was mit Distanz, mit Manieren zu tun. Was will ich mit einem Foto von einem toten Küken.

B: (halb ironisch) Die Tragik des Moments festhalten.

A: Ja, schon. Aber im Endeffekt ist es doch so, man hat niemanden, mit dem man das teilen kann. Man muss seine eigene Plattform sein. Man steht da und denkt sich: Toll, und mit wem teilst du ein Foto von einem toten Vogelküken, das aus seinem Nest gefallen ist?

B: Du denkst zu viel. Mach es einfach!

A: Aber für wen mach ich es? Selbst wenn mich das für einige Momente so verstört hat. Was mach ich dann damit? Du hast einfach so scheiße viel Information, so scheiße viel Material in deinem Leben, das du nicht brauchst.

B: Siehst du, bringt eben doch nix. (Stille) Vielleicht ist das alles ja gar nicht da.

A: Du bist doch auch da!

B: Vielleicht bin ich ja doch nicht da.

A: Stimmt.

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Wo steht die Musik, im Hier und Jetzt???

Vor kurzem stellte ich auf Yahoo Clever mal folgende Frage:

Wo steht die Musik heute, im „hier und jetzt“?

Eine Frage, zu der ich keine richtige Antwort finden kann. Klar ist Musik, klassische wie populäre, ein sich stetig veränderndes und erweiterndes Feld, das man so an sich nicht für den Moment fassen kann. Aber wenn man so auf das letzte Jahrhundert zurückblickt, haben wir hier sämtliche Innovationen, den Rock’n’Roll, die Zwölftontechnik, aleatorisches Komponieren, Punk, Techno, Shoegaze, Post-Rock, Hip-Hop… und jetzt? Ist wirklich alles gesagt? Gibt es sowas wie DEN heißen Scheiß noch? Eine musikalische Entwicklung, deren Zeugen (oder besser gesagt Zuhörer) wir sind ohne es vielleicht zu merken? Und was ist mit der klassischen Musik? Tritt sie mittlerweile auf der Stelle oder verschmilzt sie doch langsam mit der Pop-Musik? Ist musikalische Weiterentwicklung letztendlich doch abgelöst vom Marktdenken des Kapitalismus? Oder kann mir irgendjemand wenigstens eine Skizze der Bewegungen liefern, in der sich die Musik befindet?

Ich bin selber Musiker und stelle mir diese Frage nicht umsonst 😉 Ich kenne mich was Musik anbelangt sehr gut aus, besser als manch anderer, und weiß auch recht genau, was wirklich den Anschein von etwas neuem hat und was nicht. Aber zur momentanen Zeit mag sich mir kein richtiges Bild ergeben. Vielleicht ist es auch nicht EINS, aber wenn jemand der sich auskennt, einige der aktuellen Entwicklungen weiß und benennen kann, wäre es schön, er sagt sie mir. 😉

 

Bis hierhin schon gute Antworten, die aber meinen Skeptizismus eher bekräftigen 😀
Dubstep wäre schonmal eine der Musikrichtungen, die sich wirklich erst im letzten Jahrzehnt in allen Formen entwickelt hat. Das sie gleich vom Mainstream aufgesaugt wurde, finde ich garnicht mal so tragisch. Ich selber stelle diese Frage eigentlich nicht, weil ich mich selber zu einem Pionier machen will, sondern einfach um zu wissen, inwiefern man den Zahn der Zeit bestimmen kann.

Mal ein paar Beispiele der Gedanken, die ich mir so gemacht habe:
In der deutschsprachigen Musik zum Beispiel ist eine neue Welle der Texter erkennbar. Spätestens seit Gisbert zu Knyphausen haben anspruchsvolle, durchaus melancholische Texte wieder mehr Anklag gefunden, und ein sehr von Element of Crime beeinflusster, aber wesentlich weniger chansonhafter Stil hat sich entwickelt. Für diesen las ich letztens den Ausdruck „Neue Deutsche Innerlichkeit“. Zwar ist das an sich nichts wirklich neues, aber in meinen Augen auf jeden Fall eine Weiterentwicklung! Auch insgesamt sind die melancholischeren Töne von Songwritern wie William Fitzsimmons oder Scott Matthew stark präsent.
Eine Rückentwicklung stellt für mich die (bereits erwähnte) Lady Gaga dar, aber vor allem musikalisch. Sie ist in ihrem Auftreten eine weitere unter den sich selbstinszenierenden Frauen wie Madonna, Björk, Grace Jones, Kate Bush, wobei bei ihr natürlich auch vor allem die Provokation im Vordergrund steht. Und dadurch verliert im Gegensatz zu oben genannten dann die Musik völlig an Bedeutung und verkommt zu netten Chartliedchen, die irgendwie vor allem nerven.
Der Dubstep ist insofern innovativ als dass diese Spielart der populären Musik nicht mehr zwingend eine Hook im klassischen Sinne hat. Er benutzt sehr oft das gleiche Konzept und setzt es immer anders um. Die typischen Dubstep-Basslines sind zwar oft beliebig austauschbar, aber sie stellen eben eine neue Auffassung von Musik dar: Musik als etwas SPÜRbares.
Im Indiepop kann man schon seit einiger Zeit eine Tendenz zur Euphorie festmachen. Grade Bands wie Everything Everything, Passion Pit oder (ein wenig kommerzieller) The Naked and Famous machen Musik, die irgendwie zwischen Rock und Elektropop mäandert und oft von der Art her sehr knallig und bunt gestaltet ist. Und ich glaube, dass mit dieser Vehemenz in der Musik schon lange nicht mehr gute Laune herrschte.
Ein letztes: Post-Rock wurde ja so als eine große Hoffnung angesehen Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger, da er den Rock ohne seine Mythen und Kulte spielte, sprich wesentlich verkopfter war und dessen Kompositionen auch oft von klassischem Ausmaß sind. Ich sehe hier Vorreiter grade in der Minimal Music und ähnlichem. Bei Bands wie Explosions in the Sky oder Godspeed! You Black Emperor würde ich daher eher von einer Verschmelzung von klassischer Musik und Pop sprechen, ebenso bei isländischen Acts wie Amiina oder Sigur Ros, da hier eben auch eine andere Art des Zuhörens gefragt und dies auch eine andere Art des Songwritings ist, durch komplexe Strukturen, etc. Hoffe mal, der Gedankengang ist einigermaßen verständlich. Leider hat Postrock in den letzten Jahren aber auch eher sich selber wiederholt.
Die Klassik der heutigen Zeit ist mir aber ein wenig ein Rätsel… Man hört ja auch nichts von den wirklich zeitgenössischen Komponisten. Oder wenig, es gibt ja Leute wie Nils Frahm, Olafur Arnalds oder Johann Johannsson, die so etwas wie klassische Musik machen….
Aber gut, jetzt hab ich mal versucht, ein wenig zusammenzufassen, was MIR so zu dem Thema einfallen mag. Bin nach wie vor gespannt auf weitere Antworten

Ein Statement zu Ed.Wibeau

Es ist meiner Meinung nach wichtig, ab und an im Bestehen eines Projektes eine Bestandsaufnahme zu machen und damit so etwas wie ein Statement abzugeben, durch das man selbst und vor allem andere erfahren, wer oder was man ist und wo man hin will. Natürlich ist diese Meinung stark beeinflusst vom Kapitalismus und seinem Marketingdenken. Doch in meinem Fall sage ich: Kunst ergibt die Zeit und Zeit ergibt die Kunst. Organisation ist seit jeher zwar Feind von sinnstiftendem Chaos und mir daher eigentlich völlig fremd, allerdings sehe ich nach bald zwei Jahren, die ich mit diversen Projekten im Netz vertreten bin, dafür die Zeit gekommen. Man kann das folgende also als eine Art Selbstbetrachtung lesen, allerdings sollte man diese nicht als solche unter den Tisch kehren. Bei Montaigne macht das ja auch keiner.

Den folgenden Teil darf man auch überspringen. (Wer oder was ist also Ed.Wibeau? Besser gesagt, was führte letztendlich zur Entstehung dieser Mischung aus Kunstfigur und eigener Persönlichkeit? Angefangen hat alles im Alter von 16 Jahren, ich lerne Gitarre und beginne schnell aus meinem Drang heraus, alles was ich selber irgendwie anfange oder lerne auf eigenständige Art und Weise zu verarbeiten, eigene Songs zu schreiben. Aus irgendeiner Intuition heraus entstehen vornehmlich englischsprachige Lieder von einer Naivität, die nur ein Anfänger so schreiben kann. Gut ist allerdings was anderes. Nachdem ich dann mit 17 von zu Hause ausziehe lege ich mir ein schäbiges Mikro zu und nehme überlange Songs und verspulte Covers auf, die größtenteils nie ihren Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben. The Sad Sister wollte ich mich damals noch nennen, nach einem Song von Giraffe aus einer auf 12.rec erschienen EP. Mein bester Kumpel war noch immer meine Hauptlernquelle. Irgendwann lege ich die Songs auf Eis, da ich merke, dass ich kaum singen und texten kann. Würde ich den ein oder anderen Song aus dieser Zeit nochmal überarbeiten, würde aber vielleicht dennoch etwas dabei herauskommen. Der Grundstein für alles war also mein naiver Drang zur Kreativität und Eigenständigkeit, den ich ernüchtert aufgab. Aber irgendwie begann „das mit der Musik“ weiter in mir zu arbeiten. Ich verstand nie, warum ich mein Gehör für jegliches akkustische Erzeugnis nicht nutzen wollte um etwas eigenständiges daraus zu machen. Mit meiner damaligen Freundin machte ich dann ein Netlabel auf, Acoustic Firework Records, ein Label für alles melodische, um einen Gegenpol zum mittlerweile recht einseitigen Programm der anderen CC-Labels zu setzen. Leider habe ich das aber so gut wie allein gemacht und irgendwann den Kampfgeist verloren. Fallende Views taten ihr übriges. Aus dem Projekt The Clapping Audience, in dem ich vor allem mich auf die Verbindung von CC-Musik und Film konzentrieren wollte, wurde ebenfalls nichts. Die ganze Chose hat mir aber vor allem in Sachen Präsentation im Internet weitergeholfen – wenn ich auch nicht die Kniffe heraus hab um richtig erfolgreich mit meinen Sachen zu sein, dann wusste ich nun wenigstens, wie es überhaupt mal anzufangen ist. Alles was ich bis hier hin gemacht hatte (diverse Ideen für Bandprojekte und Ideen für Bücher und Romane mit eingeschlossen) fing immer mit einem ehrgeizigen Ansatz an und versandete dann irgendwie. Irgendwie fing ich dann auch an, Gedichte zu schreiben, über die meine Tante nicht lang vor ihrem Tod noch gesagt hatte, dass ich wohl einen Therapeuten bräuchte. Doch für diese wurde ich auch im kleinen Kreis oft gelobt, habe für Freunde einige Lesungen gehalten, und das gab mir den Mut zurück, wieder mit dem Songwriting anzufangen. Mit 18 ungefähr entdeckte ich Gisbert zu Knyphausen und sämtliche Künstler der Welle, die vor einer Weile wohl mal „Neue Deutsche Innerlichkeit“ genannt wurde, für mich und wusste genau: So etwas will ich auch machen, aber anders! Ein Künstlername war rasch gefunden, nachdem ich in Tübingen „Die neuen Leiden des jungen W.“ auf dem Theater gesehen hatte. Edgar Wibeau… Ed.Wibeau! Ein irgendwie naiver, dahergelaufener Dilletant, der mit der Welt verzweifelt, eigentlich auch garnichts kann, aber doch irgendwie durch seine Unfähigkeit sympathisch rüberkommt. Zuerst war die Kamera mein Freund, dann ein USB-Mikrofon, mit dem ich nach wie vor meine Songs aufnehme – weil ich ihm vertraue. Nachdem ich mit dem Mikro einer von meiner Freundin ausgeliehenen Videokamera einiges aufgenommen und das als Demo zusammengestellt ins Netz geladen hatte (Live aus dem Kaninchenbau), wollte ich doch einen Partner in Form eines offenen Netlabels. Digital Kunstrasen ist da nach wie vor mein Verbündeter in allen Lebenslagen, zumindest alle musikalischen und textlichen Ergüsse betreffend. Alles was ich seitdem „offiziell gemacht“ habe kann man hier finden.

Nun ja, nun habe ich in pathetischen Worten meinen musikalischen Werdegang versucht zu skizzieren. Eigentlich geschah alles mehr oder weniger im Vorbeigehen. Und noch ist das keine Erfolgsgeschichte, höchstens eine sehr persönliche, die nach den Maßstäben der heutigen Kulturwirtschaft nicht als solche gelten würde. Persönliches habe ich bewusst außen vor gelassen, auch wenn es mit meiner Musik eigentlich direkt zusammenhängt.)

Was macht nun mich und alles was ich tue aus? Oft war ich auf Konzerten unter Musikern, unter denen über nichts anderes geschwafelt wurde als über Technik. Ich wäre der letzte, der behauptet, Technik (musikalisch oder elektronisch) sei unwichtig! Nur zählt Technik allein nicht. Ich halte das eher mit Jack White, der sinngemäß gesagt hat, er kaufe sich gerne die billigsten Kaufhausgitarren, weil darin die meiste Herausforderung bei den Aufnahmen besteht. Oder mit Max Müller, der in einem Interview von sich gab: „Ich habe im Zweifelsfall stets lieber den Dilettanten zugehört, die aber unbedingt etwas mitzuteilen hatten.“ Dabei sehe ich meine Musik als etwas sehr dilletantisch direktes und echtes an. Ich denke, dass ich der Welt eben etwas mitzuteilen habe. Allerdings ist diese Mitteilung eine eher persönliche als politische. Natürlich fände ich es auch nicht schlecht, ein zweiter Rio Reiser zu sein, ich bin es aber nicht. Nur was sagen schwermütige und leichtfüßige Texte jenseits von ihrem Wortlaut aus? Dass anscheinend grade Gisbert zu Knyphausen eine Welle von Newcomern in der deutschsprachigen Szene hervorgerufen hat, liegt ja letztendlich daran, dass viele begriffen, dass es eben nicht schlimm ist, über sich und seine Probleme zu singen. Welcher Musiker tut das absolut nicht? Welcher Künstler verarbeitet nicht seine Persönlichkeit in seinem Werk? Es ist aber immer auch die Frage offen, wie man diese Persönlichkeit darstellt, ohne zu langweilen. Letzten Endes ist also jede Form von Songwriting eine Art der Selbstinszenierung. Diese muss in den Songs Interpretationen zulassen, allgemeinere Wahrheiten als die eigene miese Stimmung ausdrücken und gemeingültigere Eindrücke hinterlassen als die reine Verzweiflung oder die reine Freude an der Welt. Schließlich ist das Produkt des Songwritings jenseits von Kunst immer Unterhaltung und jenseits von Unterhaltung immer auch Kunst. Um genau diesen Zwiespalt aus emotionaler Intuition und pseudo-intellektueller Konzeption bemühe ich mich auch immer in meinen Songs. Einfach ausgedrückt: Ich mache mir vor einer Aufnahme nie großartig Gedanken über ein Konzept, habe aber trotzdem immer im Hinterkopf, dass am Ende etwas ungewöhnliches herauskommen soll. Aber genauso gut kann man auch das Gewöhnliche zulassen. Klischees sind zum spielen da. Im wesentlichen ist es mir wichtig, dass der Hörer sich in meiner kleinen Selbstinzenierung selber wiederfindet, oder wenigstens die Chance dazu bekommt.

Um auf die Technik zurück zu kommen: Ich mache gerne Gebrauch von ihr. Aber nie bewusst. Ich lege keinen Wert auf Aktualität meiner Geräte, hauptsache sie funktionieren. Ein Tom Waits benutzt ja auch immer noch Tapes für seine Aufnahmen. Ich gehöre halt einfach einer anderen Generation an. Im Endeffekt profitiere ich ja auch von der Welt des Internet. Vor Live-Auftritten scheue ich mich noch oder mag auch den Organisationsaufwand nicht mehr stemmen. Und da kommen wir auch schon zum wesentlichen Problem an meinem Projekt: Die Bekanntheit. Das mag vielleicht jetzt etwas arrogant wirken, ist aber keinesfalls so gemeint. Ich werfe niemandem Ignoranz vor, aber ich frage mich, wo heute noch Bekanntheit zu erlangen ist. Ist es wirklich noch diese Glückssache? Pop-Akademien bilden junge Songwriter und Musiker aus, Bandberatung gibt es an jeder Musikschule. Das muss nicht schlecht sein, Wolfgang Müller oder Alin Coen zeigen das. Und doch wäre das nichts für mich, selbst wenn ich mich verbessern könnte. Denn genau diesen Sound den ich jetzt habe will ich behalten (aber nicht auf ihm herumtrampeln, keine Sorge!). Ich brauche niemanden, der mir sagt, wie ich als Künstler auftrete oder der meine Technik verbessert. Die Technik, die ich jetzt habe, will ich selber auf eigenständige Art und Weise erhalten und verfeinern, mich entwickeln ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Selbst wenn ich je an einer Pop-Akademie landen sollte, mich und meine Musik verbiegt man hoffentlich nicht so leicht. Doch genau damit bin ich auch mehr oder weniger eine Randerscheinung in der populären Kultur. Alles strebt nach Marktfähigkeit, Musik ist von kapitalistischen Prinzipien durchwuchert, denen ich mich nicht gerne ergeben würde. Man sieht einen Haufen Casting-Shows, in denen Stimme und Auftreten zählen. Aber einen Songwriter-Wettbewerb? Der Gewinner ist der, der den innovativsten, aufregendsten und unterhaltsamsten Song schreibt und produziert? Die Menschen nehmen nur die Oberfläche wahr, Stimme, Sound und Auftreten. Natürlich tue ich das genauso, aber es ist genauso wie bei den Frauen nicht das allerwichtigste an Musik. Man muss nicht lupenrein singen können um zu berühren. Wenn man beides kann, hat man aber gewonnen. Ich weiß nicht mal so richtig, ob ich beides kann 🙂

Nun ja, es ist tief in der Nacht. Ich hoffe, diese Ausführungen haben ein Bild von mir hinterlassen. Vornehmlich will ich meinen Hörern mich selber vorführen, um ihnen zu sagen: „Hey, das bin ich! Ich bin so und so, also garnicht so sehr anders als du. Ich verstehe dich. Und im Endeffekt ist vieles schwer, aber du wirst es immer trotzdem schaffen und die Kurve kratzen. Davor lass es dir aber nicht verbieten, echt zu sein, traurig zu sein, oder übertrieben euphorisch. Es ist dein Leben. Mach es so wie ich es mache und leb es aus, wenn auch nur in einer Sache.“ Meine Texte bringen immer die Hoffnung ins Spiel, wenn es garnicht mehr weiter geht. Auch wenn sie mal mehr, mal weniger verschlüsselt sind, so ist es mir wichtig, dass diese Message auch bei euch ankommt. Ich bin ich, und darum bin ich anders und doch gleich. Cheers! News zu neuerem musikalischen Zeug kommen bald bestimmt mal wieder 🙂 und in einer Stunde muss ich schon wieder zur Arbeit.

Vögel

Mir schlägt auf den Magen, was du gesagt hast. Der Bodensatz in deiner Kaffeetasse besteht wahrscheinlich zu neunzig Prozent aus Sabber. Wenn du dir durch deine langen Haare streichst, dann frage ich mich, wie lange du sie wohl nicht mehr gewaschen hast. Is viel Arbeit, die zu föhnen. Hast du jedenfalls mal gesagt. Ich sage: „Schreib mir doch nen Brief, wenn du drüben bist.“ Du sagst: „Mach ich“, mit einem komisch melancholischen Blick raus aus dem Fenster. Ekelhafte Formalitäten. Die Frau von den Durchsagen hat Schnupfen. Deine momentane Playlist auf deinem iPod besteht aus Silbermond und Xavier Naidoo. Schade eigentlich, denke ich mir und stecke das Gerät wieder zurück in die Tasche. Coole Menschen hören angeblich noch Platten. Endlich ist das Flugzeug da. Nächstes Jahr werde ich diese Gegend selber verlassen. Dich hätte ich mitnehmen können. Bevor du zu deinem Gate aufbrichst, drückst du mir einen flüchtigen letzten Kuss auf die Lippen. Das nehme ich zur Kenntnis. Und doch wird mir in dem Moment, in dem du enttäuscht zu Boden siehst, klar, dass ich am liebsten dabei sein würde, wenn selbst die Freiheitsstatue vor deiner Schönheit in die Knie geht.